Ein Niederländer und seine Liebe zur Route 66

Manchmal beginnt eine große Reise mit einem einzigen Bild.
Für Dries Bessels war es ein Foto der verlassenen Painted Desert Trading Post mitten in der Wüste Arizonas. Das Gebäude – eine verfallene Hülle aus der goldenen Zeit der Mother Road – ließ ihn nicht mehr los. Jahre später stand er schließlich selbst dort, irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Route 66. Dieser Moment wurde zum Anfang einer Leidenschaft, die bis heute anhält.
Heute gehört Dries zu den bekanntesten europäischen Route-66-Botschaftern.
Ein Holländer auf Amerikas berühmtester Straße
Dries lebt im niederländischen Westzaan, doch ein Teil seines Herzens liegt tausende Kilometer entfernt auf der legendären Straße von Chicago bis Santa Monica.

Er hat die Route 66 inzwischen mehr als ein Dutzend Mal bereist, häufig als Reiseleiter für Motorradgruppen aus Europa. Ein- bis zweimal im Jahr führt er Gruppen von etwa 15 Reisenden über die gesamte Strecke – von Illinois über die weiten Ebenen Oklahomas bis zu den Wüsten Arizonas und Kaliforniens.Dabei geht es ihm nicht nur um die Straße selbst, sondern vor allem um die Menschen entlang der Route. Dries beschreibt die Route 66 gern als eine „linear community“ – eine Gemeinschaft, die sich wie ein langes Dorf quer durch Amerika zieht. Reisende, Ladenbesitzer, Motelbetreiber und Enthusiasten kennen sich, helfen einander und teilen ihre Geschichten.
Der Autor: Route 66 auf Niederländisch
2017 veröffentlichte Dries ein Buch, weil ihm etwas fehlte:
ein Route-66-Reiseführer auf holländisch.
Das Ergebnis war das umfangreiche Werk

Der rund 218 Seiten starke Guide enthält Hintergrundgeschichten, praktische Reisetipps, historische Informationen und zahlreiche Fotos entlang der Route. Das Besondere: Die Einnahmen aus dem Buch fließen vollständig in die Dutch Route 66 Association, deren Mitgründer Dries ist.
Neben seinem eigenen Buch beteiligt er sich auch an internationalen Route-66-Projekten und Publikationen und arbeitet als Berater für digitale Initiativen wie Navigations-Apps oder den „Mother Road Passport“.
Mitautor eines besonderen Route 66 Jubiläumsbuches
Neben seinem eigenen Reiseführer ist Dries Bessels auch an einem besonderen gemeinschaftlichen Buchprojekt beteiligt. Gemeinsam mit mehreren bekannten Route-66-Autoren wirkte er am Jubiläumsband Route 66: 100 Years mit, der anlässlich des hundertjährigen Bestehens der legendären Straße veröffentlicht wurde. Herausgeber des Buches ist der Route-66-Historiker Jim Hinckley.

Der reich bebilderte Band vereint Beiträge verschiedener Autoren, die unterschiedliche Aspekte der Geschichte, Kultur und Gegenwart der Mother Road beleuchten.
Dries steuert darin ein Kapitel mit dem Titel Renaissance bei. In seinem Beitrag beschreibt er die Wiederentdeckung der Route 66 nach ihrer offiziellen Stilllegung in den 1980er-Jahren und wie sich die Straße in den vergangenen Jahrzehnten zu einem internationalen Reiseziel entwickelt hat.
Seine Perspektive ist dabei besonders interessant, denn Dries betrachtet die Route 66 aus europäischer Sicht. Als jemand, der die Strecke selbst viele Male bereist und unzählige Reisende aus Europa über die Mother Road geführt hat, schildert er, warum diese Straße bis heute Menschen aus aller Welt anzieht – und weshalb ihre Faszination längst weit über Amerika hinausreicht.
Ein Leben jenseits der Mother Road
So sehr Route 66 sein Leben prägt – sie ist nicht alles.
Beruflich arbeitete Dries viele Jahre als IT-Architekt, also in der Welt der Computer und Software.
Wenn er nicht gerade Reisegruppen über die Mother Road führt oder an neuen Route-66-Projekten arbeitet, widmet er sich einem eher ruhigen Hobby: Holzarbeiten. In seiner Werkstatt entstehen kleinere Projekte und kunstvolle handwerkliche Arbeiten – ein kreativer Ausgleich zu langen Reisen und digitaler Arbeit.
Als Weihnachtsmann auf dem Motorrad engagiert er sich zudem für einen guten Zweck. Mit Motorradfreunden sammelt er Spenden für krebskranke Kinder die im Prinses Máxima Centrum voor kinderoncologie behandelt werden.

… und immer für andere da
Dries verfügt heute über eines der umfangreichsten Fotoarchive zur Route 66. Mehr als 70.000 Aufnahmen aus allen Abschnitten der legendären Straße hat er im Laufe der Jahre zusammengetragen. Die ältesten stammen noch aus dem späten 19. Jahrhundert, während immer wieder aktuelle Bilder hinzukommen.
Sein frei zugängliches Archiv lädt dazu ein, die Route 66 in all ihren Facetten zu entdecken, und ist unter www.bessels.org zu finden.
Seine Leidenschaft für die Route 66 zeigt sich auch in seinem Zuhause: Fotos, Erinnerungsstücke und Modelle erinnern an die vielen Reisen durch Amerika. Besonders bedeutend für ihn bleibt die Painted Desert Trading Post, deren Bild ihn ursprünglich auf diese Reise gebracht hat – und deren Silhouette er auch als Tattoo auf seinem Arm trägt. Ebenso ein Modell der PDTP von Willem Bor ist in seiner ganz besonderen Route 66 Vitrine zu finden.
Ein europäischer Botschafter der Mother Road
Dries’ Engagement blieb auch in den USA nicht unbemerkt. Gemeinsam mit seiner Frau Marion wurde er im Route 66 Walk of Fame in Kingman, Arizona geehrt – eine Auszeichnung für Menschen, die sich besonders um die Route 66 verdient gemacht haben.

Seine Geschichte zeigt etwas, das viele Route-66-Reisende kennen:
Diese Straße gehört nicht nur Amerika.
Sie gehört jedem, der ihr einmal verfallen ist.
Und manchmal beginnt alles mit einem einzigen Foto am Rand einer staubigen Straße in Arizona.
Die Straße, die Menschen verbindet
und Dries mittendrin
Die Route 66 ist mehr als nur eine historische Straße durch 8 US-Bundesstaaten. Für viele ist sie ein Symbol für Freiheit, Abenteuer und Aufbruch. Doch wer sie wirklich erlebt, entdeckt noch etwas anderes: eine Gemeinschaft von Menschen, die sich durch diese Straße miteinander verbunden fühlen – oft über Kontinente hinweg.
Dries Bessels gehört zu jenen Menschen, die diese Verbindung leben. Ein Niederländer, der sich von einer amerikanischen Straße faszinieren ließ, der unzählige Male ihre Kilometer gefahren ist und dessen Begeisterung inzwischen viele weitere Reisende angesteckt hat.
Seine Geschichte zeigt, dass die Route 66 längst nicht mehr nur eine amerikanische Geschichte ist. Sie ist auch eine europäische, eine persönliche – und manchmal sogar eine freundschaftliche.
Denn irgendwo zwischen alten Tankstellen, verlassenen Motels und endlosen Horizonten entsteht etwas, das man schwer in Worte fassen kann: Begegnungen, Erinnerungen und Freundschaften, die ohne diese Straße vielleicht nie entstanden wären.
Und genau das ist vielleicht das größte Geschenk der Mother Road.
Sie bringt Menschen zusammen – immer wieder, auf neue Weise und oft an Orten, an denen man es nie erwartet hätte.

Roadies aus den USA und Europa beim European Route 66 Festival in Zlin (Foto Harald Jungbauer)

Viele helfende Hände haben aus einem Lost Place ein kleines Museum entstehen lassen mit zahlreichen Informationen zur Geschichte des Painted Desert Trading Post.
Und wenn die Arbeit getan ist, wird gefeiert. Dann wird aus einem gemeinsamen Projekt ein internationales Fest, bei dem Sprachen, Kulturen und Geschichten ineinanderfließen – so lebendig und vielfältig wie die Route 66 selbst.
Die Faszination dieser legendären Route kennt keine Grenzen.

Wie ich hierher kam und was ich da gemacht habe … zu einem späteren Zeitpunkt.
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Sehr informativ und gut geschrieben. Dries und Marion sind zwei ganz besondere Menschen mit einem großen Herzen.
Sehr gut geschrieben, ich kenne Dries und Marion seit vielen,vielen Jahren und sie sind besonders, warmherzig und immer hilfsbereit. Ich hatte das grosse Glück, mit Marion einen Teil der Route66 bereisen zu dürfen, das gehört bis heute zu meinen schönsten Erinnerungen.
Monika