Wie kann ich zum Erhalt der Mother Road beitragen, wenn mich fast ein halber Erdball von der Mother Road trennt?

Diese Frage beschäftigt mich schon seit Langem, und irgendwann habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie ich selber meinen Beitrag zum Erhalt der Route 66 leisten könnte – obwohl zwischen meinem Zuhause und der Mother Road ein ganzer Ozean liegt, nur um festzustellen, dass ich eigentlich mitten drin bin.
Dazu muss man nicht unbedingt vor Ort sein. Ich kann nicht selbst anpacken, keine alte Tankstelle restaurieren, kein Neon Sign wieder zum Leuchten bringen und keinen historischen Straßenabschnitt vor dem Verfall retten. Aus der Ferne liegt meine Stärke an ganz anderer Stelle.
Lange dachte ich beim Thema Erhaltung zuerst an historische Gebäude, alte Straßenabschnitte, Brücken und Neon Signs, an all das, was restauriert und vor dem Verschwinden gerettet werden kann. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Es geht um sehr viel mehr. Eine Straße bleibt nicht allein deshalb lebendig, weil ihre Gebäude noch stehen. Es sind die Menschen, ihre Geschichten und Erinnerungen – und diejenigen, die diese Geschichten weitererzählen.
Und genau dort kann auch ich etwas tun.
Ich kann von den Menschen erzählen, denen ich begegnet bin, ihre Geschichten festhalten und Erinnerungen weitertragen. Interviews, Gespräche und Begegnungen verschwinden nicht einfach in irgendeinem Archiv, wenn man ihnen immer wieder einen Platz gibt. Dasselbe gilt für meine Fotos. Die meisten davon sind inzwischen viele Jahre alt. Was damals einfach ein Reisefoto war, kann heute bereits etwas zeigen, das sich verändert hat oder vielleicht gar nicht mehr existiert. Ein Motel hat einen neuen Besitzer, eine alte Tankstelle wurde restauriert, ein Schild ist verschwunden, ein Geschäft hat seine Türen geschlossen. Und manche Menschen, die ich kennenlernen durfte, sind heute leider nicht mehr unter uns.
Plötzlich bekommen solche Bilder einen ganz anderen Wert.

Aber es geht mir nicht nur darum, zurückzublicken. Wenn die Route 66 weiterleben soll, brauchen vor allem diejenigen Unterstützung, die heute an ihr leben und arbeiten.
Die kleinen Motels, Diners, Museen, Shops und Galerien können nicht allein von schönen Fotos und guten Wünschen leben. Wir können sie bewundern, darüber schreiben und ihre Geschichten teilen – am Ende hilft es ihnen aber vor allem, wenn Reisende ihre Türen öffnen und hineingehen. Wenn sie dort übernachten, essen, ein Buch, ein Bild oder ein Souvenir kaufen und damit ihr Geld dort lassen, wo es tatsächlich etwas bewirken kann.
Wo immer es möglich ist, möchte ich deshalb auch auf die Menschen und Betriebe selbst verweisen. Wer ein Buch eines Route 66 Autors kaufen möchte, Kunst entdeckt, die ihm gefällt, oder ein besonderes Souvenir sucht, kann vielleicht direkt beim Künstler, Autor oder kleinen Shop bestellen, statt automatisch den Weg über eine der großen Verkaufsplattformen zu nehmen.
Vielleicht liegt aber gerade in der Entfernung eine meiner wichtigsten Möglichkeiten.
Ich kann Menschen hier in Europa erreichen, bevor sie ihre Reise antreten. Ich kann ihnen erzählen, dass die Route 66 nicht nur aus einer Reihe berühmter Fotomotive zwischen Chicago und Los Angeles besteht, sondern ihnen klarmachen, dass es sich lohnt anzuhalten, auch wenn der Ort nicht auf jeder Top Ten Liste steht, eine Tür zu öffnen, ein kleines Museum zu besuchen, in einem historischen Motel zu übernachten, statt automatisch die nächste große Hotelkette anzusteuern. Aber vielleicht auch in einem Diner sich nicht nur das Essen bringen zu lassen, sondern vielleicht ein Gespräch anzufangen. Nicht nur fotografieren und weiterfahren.
Bleiben. Zuhören. Fragen.

Denn hinter so mancher unscheinbaren Tür wartet eine Geschichte, die in keinem Reiseführer steht. Und manchmal wird aus einem kurzen Gespräch eine Bekanntschaft – oder sogar eine Freundschaft, die noch viele Jahre später besteht.
Auch Projekte entlang der Route kann ich aus der Ferne unterstützen. Wenn Menschen versuchen, ein historisches Gebäude zu retten, ein Museum zu erhalten oder einem besonderen Ort neues Leben einzuhauchen, kann ich darüber berichten. Vielleicht kann ich das Gebäude nicht selbst streichen und keinen Ziegelstein setzen – aber ich kann dafür sorgen, dass auch Menschen auf dieser Seite des Atlantiks davon erfahren und die freiwilligen Helfer vielleicht auch finanziell unterstützen.
Denn jeder noch so kleine Betrag zählt.
So wird die große Entfernung plötzlich gar nicht mehr so groß.
Vielleicht kann Route66Travelers ein kleines Stück dieser Brücke sein, zwischen den Menschen entlang der Mother Road und jenen, die sich von Europa aus auf den Weg zu ihr machen, zwischen den Geschichten von gestern und den Reisenden von morgen.
Und während ich darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass genau das auch hinter der derzeitigen Umstrukturierung meines Blogs steckt.
In den vergangenen Jahren hat sich dort viel angesammelt – allerdings etwas chaotisch, und irgendwann musste ich feststellen, dass mein Blog nicht wirklich das widerspiegelte, was ich ursprünglich einmal damit erzählen wollte. Mit etwas Hilfe habe ich ihn nun in weniger als zwei Wochen komplett umstrukturiert und ihm ein neues Zuhause gegeben. Ich schreibe jetzt in meiner Muttersprache und gebe vor allem den Menschen mehr Raum.
Denn Route66Travelers soll nicht nur zeigen, was es entlang der Route 66 zu sehen gibt. Ich möchte viel mehr davon erzählen, wer dahintersteht.
Deshalb schreibe ich meinen Blog inzwischen auch ausschließlich auf Deutsch. In meiner Muttersprache kann ich Gedanken, Erinnerungen und Gefühle so ausdrücken, wie ich sie tatsächlich empfinde. Wer meine Sprache nicht spricht, muss deshalb aber nicht vor der Tür bleiben. Über das Translation Tool auf meiner Webseite kann sich jeder die Beiträge in seiner bevorzugten Sprache anzeigen lassen.

in unserer Mitte die unvergessene Annabelle.
Vielleicht ist auch das ein kleiner Teil dessen, was ich beitragen kann: Erinnerungen zugänglich halten, Geschichten weitererzählen, Menschen sichtbar machen und anderen Lust darauf machen, selbst genauer hinzusehen, denn die Route 66 für die Zukunft zu erhalten bedeutet für mich inzwischen nicht mehr sie möglichst unverändert in ihrer Vergangenheit festzuhalten.
Es bedeutet, ihre Geschichte zu kennen, ihre Spuren zu schützen und die Menschen zu unterstützen, die sie heute mit Leben füllen. Und dafür muss man manchmal gar nicht vor Ort sein. Manchmal reicht es schon, dafür zu sorgen, dass eine Geschichte nicht vergessen wird.
Wenn ich bedenke, wie viele Informationen ich über die Jahre zusammengetragen habe – über Menschen und Orte, und wenn ich meine eigenen Erinnerungen dazu zähle – die endlich aus der Schublade herausgeholt und entstaubt werden müssen –, liegt da eigentlich noch ein kleiner Schatz verborgen. Zwar ist noch nicht alles sortiert auf meiner Festplatte, aber es wartet nur darauf, seinen Weg ins große weite Netz zu finden.
Nachdem der Blog nun richtig umstrukturiert ist und ich damit eine gute Ausgangsposition geschaffen habe, werde ich all diese gesammelten Geschichten Schritt für Schritt hervorholen und veröffentlichen.
Das wird mein ganz persönlicher Beitrag zum Erhalt der Route 66 sein.

Schild aus dem Tinkertown Museum in New Mexico
Und jetzt bin ich neugierig auf dich:
Was bedeutet es für dich, die Route 66 lebendig zu halten?
Vielleicht unterstützt du die kleinen Betriebe entlang der Straße, erzählst ihre Geschichten weiter, engagierst dich in einem Projekt oder hast eine ganz andere Idee. Manchmal sind es schließlich gerade die kleinen Dinge, die am Ende einen Unterschied machen.
Was möchtest du persönlich dazu beitragen, damit auch kommende Generationen noch ihre eigenen Geschichten auf der Mother Road erleben können?
Erzähl mir davon. Ich würde mich riesig freuen, deine Gedanken und Ideen in den Kommentaren zu lesen – und vielleicht inspirieren wir uns damit gegenseitig.
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