Unsere erste persönliche Begegnung, ein gemeinsames Essen bei Barney's Beanery in Pasadena

Penny Black

Wo Freundschaften beginnen

Unsere erste persönliche Begegnung
Unser erstes gemeinsames Abendessen mit Penny – in Barney’s Beanery in Pasadena. Und selbst das Geschirr passte zur Reise: Historic Route 66.

Manche Menschen lernt man auf der Route 66 kennen. Andere begegnen einem schon lange vorher – irgendwo zwischen einem Facebook-Beitrag, einem Kommentar und einem gemeinsamen Lachen. So begann auch meine Geschichte mit Penny Black, einer Frau, die sich selbst mit einem Augenzwinkern als „Route 66 Fun Addict“ bezeichnet. Wer sie kennt, weiß allerdings, dass dieser Titel nicht übertrieben ist. Für Penny ist die Mother Road weit mehr als eine historische Straße. Sie ist Heimat, Leidenschaft und vor allem eine große Familie. 

Geboren wurde Penny in Springfield, Illinois. Als sich ihr Vater Anfang der 1960er-Jahre erneut bei der US Navy verpflichtete, zog er mit der ganzen Familie nach Kalifornien. Der Weg der Familie führte sie regelmäßig über die Route 66 – zwischen Springfield und California. Damals war sie für das kleine Mädchen einfach nur die Straße, die nach Hause führte. Erst viele Jahre später erkannte sie, dass diese Fahrten den Grundstein für eine lebenslange Leidenschaft gelegt hatten. Ein Schlüsselmoment war eine Reise nach dem Tod ihres Großvaters. Kurz zuvor hatte ihre Mutter ihr Michael Wallis‘ Buch The Mother Road geschenkt. Als Penny wenig später zufällig auf einem alten Abschnitt der Route 66 in McLean, Texas, landete und ein älterer Herr zu ihr sagte: „Oh, it’s old 66, darling.“, begann für sie eine völlig neue Reise – eine Reise, die bis heute nicht zu Ende ist.

Kennengelernt haben wir uns allerdings nicht irgendwo zwischen Illinois und California, sondern auf Facebook. Damals hatte ich eine kleine Challenge ins Leben gerufen, bei der ich regelmäßig Fotos eines verrosteten, verbeulten Fundstücks veröffentlichte, das ich liebevoll „Rusteeze“ nannte. Ich liebe diese mit Patina bedeckten Relikte entlang der Mother Road. Die Aufgabe bestand darin, zu erraten, wo sich dieses rostige Objekt entlang der Route 66 befand. Es wurde viel gerätselt, gelacht und diskutiert – und genau diese kleinen gemeinsamen Momente brachten Penny und mich näher zusammen. Als Erinnerung an diese Aktion gestaltete ich später einen Kalender mit allen „Rusteezes“, den ich zu unserem ersten persönlichen Treffen mit nach Amerika nahm.

Im Dezember 2016 war es dann so weit. In Pasadena standen wir uns zum ersten Mal persönlich gegenüber. Dabei hatte unsere Ankunft alles andere als nach Plan funktioniert: Unser Flieger hatte Verspätung, auf den Mietwagen mussten wir eine gefühlte Ewigkeit warten, und schließlich waren wir mehr als eine Stunde später dran als angekündigt. Ehrlich gesagt hatte ich Penny längst abgeschrieben und damit gerechnet, dass wir uns gar nicht sehen würden.

Doch als wir endlich auf den Parkplatz unseres Hotels fuhren, stand sie da und wartete auf uns – mit ihrem ganz besonderen Lächeln. Es war eines dieser Treffen, bei denen man nach wenigen Minuten das Gefühl hat, sich schon viel länger zu kennen.

Ein Jahr später trafen wir uns erneut – zunächst in Pennys Heimatstadt Springfield, Illinois, wo wir einige unbeschwerte Stunden miteinander verbrachten, viel lachten und einfach die gemeinsame Zeit genossen. Am nächsten Tag führte uns die Reise weiter nach Springfield, Missouri, zum Birthplace of Route 66 Festival. Zwei Städte mit demselben Namen, zwei Bundesstaaten und doch ein gemeinsames Erlebnis. Für mich gehören diese beiden Tage bis heute untrennbar zusammen.

Gemeinsames Abendessen der Roadies nach dem Springfield Festival in Missouri
Gemeinsames Abendessen der Roadies nach dem Springfield Festival in Missouri

Wer Penny kennt, versteht schnell, warum sie überall entlang der Mother Road Freunde hat. Sie besitzt diese besondere Gabe, Menschen sofort mitzunehmen. Dabei stehen für sie nie alte Tankstellen oder Neonreklamen im Mittelpunkt. Es sind immer die Menschen, die ihre Reisen unvergesslich machen. Vielleicht erklärt genau das, warum sie sich über die Jahre zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der internationalen Route 66 Gemeinschaft entwickelt hat.

Diese Verbundenheit wurde während der Pandemie besonders sichtbar. Als Reisen plötzlich unmöglich wurden und wir alle gezwungen waren, zu Hause zu bleiben, entstand meine Aktion #Route66Smiling. Von 2020 bis 2022 sollte sie ein kleines Stück Route 66 Gefühl in den Alltag zurückbringen. Im Zweiwochenrhythmus veröffentlichte ich neue Themen, zu denen Route 66 Freunde aus aller Welt Fotos, Erinnerungen und Geschichten beisteuerten. Penny gehörte von Anfang an zu den engagiertesten Teilnehmerinnen. Keine Challenge ließ sie aus, und mit ihrer Begeisterung motivierte sie immer wieder andere mitzumachen. Gerade in einer Zeit, in der uns Ozeane und Reisebeschränkungen trennten, zeigte sich einmal mehr, dass Freundschaften keine Grenzen kennen. 

Wenn ich heute an Penny denke, dann denke ich nicht zuerst an ihre unzähligen Reisen oder an ihre Fotos. Ich denke an ihr herzliches Lachen, an ihre Begeisterung und an ihre Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden. Aus einer kleinen Facebook-Challenge um ein “verrostetes Stück Metall” entstand eine Freundschaft, die bis heute besteht. Vielleicht ist das das schönste Beispiel dafür, was die Route 66 bewirken kann.

Für viele besteht die Mother Road aus alten Motels, Tankstellen und Neonlichtern. Für Penny besteht sie aus Menschen. Und genau deshalb passt sie so wunderbar in meine Reihe „Faces, Friendships & Stories“. Denn wenn ich an sie denke, sehe ich nicht nur ein Gesicht – ich erinnere mich an eine Freundschaft und gemeinsame Geschichten.

Wiedersehen in Springfield – diesmal bei Smokey Bones. Dazu ein BBQ, das so zart war, dass es förmlich auf der Zunge zerging.
Wiedersehen in Springfield – diesmal bei Smokey Bones. Dazu ein BBQ, das so zart war, dass es förmlich auf der Zunge zerging.

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