Der 11. September 2001

…und meine abenteuerlichste
Reise 22 Tage danach 

Die Ereignisse des 11. September waren bei der Balloon Fiesta überall spürbar. Amerikanische Flaggen, „God Bless America“-Transparente – und immer wieder Lee Greenwoods „God Bless the U.S.A.“ war auf Schritt und Tritt zu hören.

Geri’s Big Adventure (GBA) – das letzte große Abenteuer

Heute vor 25 Jahren war meine Welt eigentlich noch vollkommen in Ordnung. Meine dreiwöchige Reise in die USA war fertig geplant, die Flugtickets waren schon bestellt, ich sollte sie eine Woche vor der Abreise im Reisebüro abholen und die Vorfreude wurde von Tag zu Tag größer. Am 3. Oktober sollte es losgehen. Zunächst für elf Tage nach Albuquerque zur Balloon Fiesta und New Mexico ein bisschen kennenlernen, anschließend hatte ich einige Tage mit einem Science Fiction Autor in California verabredet, und zum Abschluss wollte ich noch ein wenig die Westküste und den Pazifik genießen. Der Rückflug war ursprünglich ab Burbank nach Albuquerque über Zürich nach München geplant.

Doch dann kam der 11. September 2001. An diesem Dienstag saß ich gerade an einer Übersetzung. Ich hatte mich erst kurz zuvor mit Übersetzungen selbständig gemacht und war mitten in meiner Arbeit, als meine Mutter anrief.

„Schalt den Fernseher ein.“
„Welchen Sender?“
„Irgendeinen. Das kommt überall.“
Mehr sagte sie eigentlich nicht.

Ich schaltete einen Nachrichtensender ein – ich glaube, es war n-tv, sicher bin ich mir heute nicht mehr. Im Laufe dieses Tages wechselte ich ohnehin ständig von einem Sender zum nächsten, versuchte dann aber bei CNN zu bleiben in der Hoffnung, dass der wohl am nächsten dem Geschehen ist und die ausführlichsten Auskünfte geben kann.

Das erste Bild, das ich bewusst wahrnahm, wirkte vollkommen surreal. Einer der Twin Towers brannte. Ich verstand zunächst überhaupt nicht, was ich da sah. 

Ein Flugzeug soll in das World Trade Center geflogen sein? Wie konnte so etwas passieren?

Und dann flog das zweite Flugzeug in den anderen Turm.

Spätestens in diesem Moment war klar, dass wir keinem schrecklichen Unfall zusahen. Weitere Flugzeuge waren entführt worden, niemand wusste, was noch passieren würde, und vor dem Fernseher versuchte man zu begreifen, was eigentlich nicht zu begreifen war.

An meine bevorstehende Reise dachte ich zunächst überhaupt nicht. Der Schock saß viel zu tief. Ich verbrachte praktisch den ganzen Tag vor dem Fernseher und sah immer wieder diese Bilder, die sich wohl jedem eingebrannt haben, der diesen Tag bewusst erlebt hat.

Erst irgendwann am Abend schob sich ein ganz anderer Gedanke dazwischen: In gut drei Wochen wollte ich in genau dieses Land fliegen. Würde ich überhaupt fliegen können?

Am nächsten Tag rief ich im Reisebüro an. Dort versicherte man mir, meine Buchungen seien weiterhin in Ordnung. Ich müsse mir vorerst keine Sorgen machen. Sollte sich etwas ändern, würde man mich verständigen. Also wartete ich und hoffte. 

In den folgenden Wochen hatte man allerdings das Gefühl, dass sich die Situation im internationalen Flugverkehr ständig veränderte. Immer wieder hörte man von Fluggesellschaften, die Verbindungen strichen oder Maschinen am Boden ließen. „Grounding“ wurde plötzlich zu einem Wort, das man wesentlich häufiger hörte, als es einem Reisenden lieb sein konnte.

Noch zwei Tage vor meinem Abflug versicherte mir mein Reisebüro: Alles in Ordnung.

Meine geplante Route führte zunächst von München nach Zürich und von dort weiter in die USA bis zu meinem Ziel nach Albuquerque.

Dann kam der 2. Oktober und meine gebuchte Swissair blieb am Boden.

Das wusste ich allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Als ich davon erfuhr, war mein Reisebüro bereits geschlossen. Zwar veröffentlichten die Airlines ihre Fluginformationen bereits online, doch die Internetseiten brachen unter dem Ansturm immer wieder zusammen – und am Telefon war praktisch kein Durchkommen.

Was also tun? Das Reisebüro konnte ich vor meiner Abreise nicht mehr erreichen. Meine Fahrt zum Flughafen war schon organisiert (und sehr früh), also hatte ich keine große Wahl, als zum Flughafen zu fahren.

Vielleicht gab es einen Ersatzflug. Vielleicht konnte man mich umbuchen. Vielleicht ging irgendetwas. Aufgeben war jedenfalls keine Option.

Also ließ ich mich am nächsten Morgen ganz normal zum Münchner Flughafen bringen. Mein Fahrer setzte mich ab und fuhr wieder nach Hause – schließlich ging ich ja davon aus, dass ich gleich in ein Flugzeug steigen würde.

Drinnen erfuhr ich dann: Mein Flug nach Zürich fand nicht statt. Man erklärte mir sinngemäß: „Wenn Sie es selbst nach Zürich schaffen, geht Ihre Reise von dort wie geplant weiter.“

Wunderbar! Ich stand am Münchner Flughafen, meinen Fahrer hatte ich heimgeschickt und offenbar bestand meine erste Aufgabe dieser Reise darin, aus eigener Kraft mitsamt Gepäck irgendwie in ein anderes Land zu gelangen.

Nach Zürich? Sofort? 

Ich ging also noch einmal zu einer Mitarbeiterin am Schalter und fragte, welche Möglichkeiten ich denn nun hätte. Ihre Antwort war bemerkenswert eindeutig: Mein vorhandenes Ticket sei praktisch nicht mehr das Papier wert, auf dem es gedruckt worden war. Wenn ich trotzdem in die USA wollte, brauchte ich ein neues Ticket.

Das war zwar nicht unbedingt die Nachricht, die man hören möchte, wenn man mit gepacktem Koffer am Flughafen steht, aber dann kam die wesentlich bessere Nachricht hinterher: Es gab eine Verbindung. Meine Route würde sich komplett ändern, ich würde über Belgien fliegen – und in Albuquerque ungefähr eine Stunde später ankommen als ursprünglich geplant. 

Eine Stunde! Nach all dem Chaos erschien mir eine Stunde Verspätung plötzlich beinahe wie ein Schweizer Uhrwerk.

Also kaufte ich ein neues Ticket. Mein Rückflugticket sollte ich allerdings behalten. Sobald ich in den USA angekommen sei, sollte ich klären, ob und wie ich es für die Rückreise noch verwenden konnte. 

Damit war meine Reise innerhalb weniger Minuten einmal komplett neu erfunden worden. Ich gab meinen Koffer auf, stieg in einen anderen Flieger als ursprünglich vorgesehen und ließ mich überraschen, wohin mich dieses Abenteuer noch führen würde.

Wie ich damals der Person, die mich am Flughafen abholen sollte in Albuquerque mitgeteilt habe, dass ich nun mit einem völlig anderen Flug ankomme, weiß ich heute tatsächlich nicht mehr. Es gab kein WhatsApp, kein Smartphone und keine Möglichkeit, mal schnell vom Gate eine Nachricht zu schicken.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Erst einmal musste man dem kreischenden 64k-Modem lauschen – damals schon ein kleiner Raser –, bevor man endlich über AOL online war.

Irgendwie muss es mir gelungen sein, denn als ich schließlich in Albuquerque landete, war mein Fahrer da. Ich war tatsächlich angekommen. 

USA, Oktober 2001.

Kaum in meiner Unterkunft, setzte ich mich an den Computer und schrieb meinem Reisebüro eine E-Mail. Dort bemühte man sich nun darum, dass ich mein Geld für das unbrauchbar gewordene Ticket zurückbekam und vor allem meine bereits gebuchten Inlandsflüge weiterhin stattfinden konnten. Schließlich sollte meine Reise ja weitergehen. Ich sollte nicht irgendwo gestrandet in den USA bleiben Schließlich wartete zu Hause mein Sohn auf mich, und ihn hätte ich niemals zurücklassen können. 

Nach Albuquerque wollte ich nach Palmdale über den Inlandsflughafen bei Burbank. Dort war ich mit einem Science Fiction Autor verabredet (Da fand auch mein erster Kontakt mit der Route 66 statt: die Blechtasse mit der Aufschrift “Get your Kicks on Route 66”. Damals war es einfach eine schöne Erinnerung an diese Begegnung. Heute sehe ich darin einen jener kleinen Momente, die erst im Rückblick ihre Bedeutung bekommen. Denn genau diese Reise und diese Tasse führten mich Jahre später wieder zurück zur Route 66 – und irgendwann schließlich zu dem, was heute Route66Travelers ist. Anschließend ging es mit dem Auto weiter Richtung Pazifik zu einem guten Freund. Ein paar Tage California sollten den Abschluss dieser Reise bilden. Und tatsächlich funktionierte in den USA alles wie geplant.

Fast. Denn irgendwann musste ich ja auch wieder nach Hause.

Es war Bill, der mich Dennis Anderson vorstellte, dem Mann, bei dem ich das erste Mal „Get your Kicks on Route 66“ gehört habe und dessen Tasse ich heute noch in meiner Küche gut sichtbar im Regal habe.

Meine Rückreise war inzwischen ebenfalls zu einer kleinen luftfahrttechnischen Doktorarbeit geworden. Mehrere Flüge, mehrere Flughäfen, wieder über Albuquerque, weiter nach Chicago, über Belgien und schließlich zurück nach München. An dieser Stelle, kann ich meinem damaligen Reisebüro (gibt es leider nicht mehr) zu verdanken. Wir waren täglich in Kontakt per Mail und die nette Dame hat auch sofort alles nach meinen Wünschen erledigt.

Aber bevor ein Flugzeug mich überhaupt aus Burbank herauslassen wollte, hatte zunächst mein Koffer seinen großen Auftritt. Dort wurde ich mit meinem Gepäck ganzen herausgezogen. Mein Koffer kam auf einen großen Tisch. Ich musste ungefähr zwei Meter entfernt stehen bleiben und durfte nicht näher heran. Dann öffnete eine ausgesprochen gründliche Mitarbeiterin meinen Koffer und begann auszupacken; Stück für Stück.

Nun muss man wissen: Ich befand mich am Ende einer dreiwöchigen Reise. Mein Koffer enthielt also nicht unbedingt die sorgfältig gebügelte Garderobe, die ich vor der Reise sorgfältig darin verstaut hatte. Er enthielt drei Wochen Reiseleben, vor allem gebrauchte Wäsche.

Meine nette Kontrolleurin verteilte diese nun mit bemerkenswerter Sorgfalt auf dem großen Tisch – meine T-Shirts, meine Hosen, meine Socken und selbstverständlich meine komplette Unterwäsche, fein säuberlich ausgebreitet. Ich stand zwei Meter entfernt und durfte mein eigenes kleines Textilmuseum betrachten.

Wenn man schon immer einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Unterwäsche vor Publikum eine Einzelausstellung bekommt: Ich kann es nicht unbedingt empfehlen. Immerhin gab sich die Dame anschließend wirklich große Mühe, alles wieder in meinen Koffer hineinzubekommen.

Das war gar nicht so einfach. Ein paar Souvenirs hier, eine Kleinigkeit dort – jeder Reisende kennt dieses Naturgesetz. Koffer sind auf der Hinreise grundsätzlich größer als auf der Rückreise, obwohl es sich nachweislich um denselben Koffer handelt.

Nach einigem Drücken, Sortieren und vermutlich innerlichem Fluchen hatte sie es geschafft. Der Koffer ging zu. Er wurde versiegelt und ich bekam die Erlaubnis, ihn einzuchecken. Geschafft, dachte ich. Nun musste ich mich beeilen, denn die ganze Prozedur hatte länger gedauert als erwartet und mein Boarding rückte gefährlich nahe. Mit meinem Handgepäck machte ich mich auf den Weg zum Gate.

Nach den Anschlägen vom 11. September waren die Sicherheitskontrollen massiv verschärft worden. Zusätzlich zu den normalen Kontrollen wurde vor dem Boarding immer wieder ein Teil der Passagiere herausgezogen und das Handgepäck noch einmal überprüft.

Kaum hatte ich mich am Gate zum Boarding angestellt, kam auch schon die Durchsage. Wurde der eigene Name aufgerufen, hat man die normale Reihe verlassen und sich in einer zweiten anstellen müssen – für eine zusätzliche Sicherheitskontrolle. Und erstaunlicherweise fiel mein Name bei diesen Stichproben immer wieder. Dann hieß es erneut: Handgepäck auf den Tisch, alles auspacken oder vorzeigen, Kameras einschalten und kontrollieren lassen, bevor ich mich wieder auf den Weg zum Boarding machen durfte. Das zog sich durch jeden einzelnen Inlandsflug in den USA.

Irgendwann entwickelte ich eine Theorie. Mein Geburtstag ist der 9.11 (neunter November). Auf Deutsch vollkommen harmlos, aber geschrieben steht dort eben: 9.11. (Nine-Eleven).

Ob das tatsächlich irgendeinen Computer interessiert hat, weiß ich bis heute nicht. Aber nach der gefühlt x-ten zusätzlichen Kontrolle war ich langsam überzeugt davon, dass irgendwo in einem amerikanischen Computersystem bei meinem Geburtsdatum sämtliche roten Lampen blinkten.

Ein paar Impressionen vom Pazifik

Ich kam trotzdem weiter. Mit Zwischenstopp in Phoenix schaffte ich es schließlich zurück nach Albuquerque, von wo aus die lange Reise Richtung Heimat beginnen sollte. Unser nächster Flieger war bereits auf dem Rollfeld, also praktisch unterwegs. Dann wurde die Maschine wieder zurückgeschickt. An ein Gate konnten wir nicht, die Maschine war ja bereits zum Abflug freigegeben – also standen wir irgendwo draußen zwischen Rollfeld und Gate. 

In Chicago herrsche ein schwerer Sturm, hieß es. Wir könnten nicht starten und müssen erst auf Entwarnung warten. Na wunderbar! Mein Weiterflug in Chicago sollte ungefähr zwei Stunden nach unserer ursprünglich geplanten Ankunft starten. Wir aber warteten fast drei Stunden am Boden in Albuquerque, bekamen was zu trinken und einen Snack, damit die Zeit schneller vergeht. 

Stimmen wurden immer lauter – ich war nicht die Einzige mit einem Weiterflug. Bei dieser Verspätung erreichen wir unsere Anschlussflüge auf keinen Fall. Wie soll ich dann von Chicago weiterkommen? Man beruhigte uns aber an Bord. Wer einen Anschlussflug hatte, konnte kostenlos über das Bordtelefon umbuchen. 

Ein Bordtelefon! Damals Hightech. Also organisierte ich mir von meinem Sitzplatz aus einen neuen Weiterflug. Ich musste zwar meine Kreditkarte dafür benutzen – vermutlich zur Identifizierung, aber sie wurde nicht belastet. Aber eines konnte man mit dem Telefon doch nicht – in Deutschland anrufen. Und dort wartete jemand darauf, mich in München vom Flughafen abzuholen.

Heute würde man schnell eine WhatsApp schreiben: „Komme ein paar Stunden später oder so.“
2001 konnte aus diesem einen Satz noch ein internationales Kommunikationsprojekt werden. Man sagte mir ich soll das über eine Münztelefon am Flughafen in Chicago machen.

Als ich endlich in Chicago angekommen war, hatte ich ungefähr zwei Stunden bis zu meinem neuen Weiterflug. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Münztelefon. Ja, liebe jüngere Leser: So etwas gab es damals noch. Man warf echtes Geld hinein und telefonierte damit. Theoretisch. Ich hatte allerdings nur wenig Bargeld bei mir und musste außerdem feststellen, dass ein Anruf nach Deutschland von dort aus gar nicht möglich war. Auch ein Anruf innerhalb der USA kostete etwa $2,50 die Minute und bei meinen paar Dollar, die ich als Bargeld dabei hatte, reichte es nicht. Und man konnte nur mir Bargeld telefonieren. Nun stand ich also in Chicago und wusste, dass in München irgendwann jemand am Flughafen auftauchen würde, während ich noch irgendwo zwischen Illinois, Belgien und Bayern unterwegs war.

Dann hatte ich doch noch eine zündende Idee. Ich schrieb mir die Nummer des Münztelefons auf, rief meinen Bekannten in California an und bat ihn um Rückruf. Es reichte gerade noch die Nummer durchzugeben, da wurde unsere Verbindung getrennt und mein Bargeld war aufgebraucht. Aber ich war heilfroh, dass er mich innerhalb von nur wenigen Minuten zurückrief. So konnte ich  ihm in Ruhe mitteilen, dass er meinen Abholer in Deutschland, den er von früheren Besuchen bereits kannte, anrufen sollte und die neue Flugnummer und meine neue Ankunftszeit mitzuteilen. War damals ohne Handy und WhatsApp und einem Münztelefon, das mit keiner Kreditkarte funktionierte eine Meisterleistung. 

Nach weiteren zwei Flügen, weiteren Flughäfen, weiteren Kontrollen und insgesamt mehr als 36 Stunden Reisezeit landete ich schließlich 2 Tage später als ursprünglich geplant in München, aber nur etwa zwei Stunden später als das letzte Update, das ich nach Deutschland selber durchgeben konnte. Wenn man bedenkt, was auf dieser Reise alles schiefgegangen war, war das geradezu eine Punktlandung.

In München angekommen, aber musste ich feststellen, dass doch noch eine Kleinigkeit fehlte: mein Koffer. Der hatte offenbar beschlossen, nach drei Wochen gemeinsamer Reise noch ein wenig alleine die Welt zu erkunden. Niemand wusste genau, wo er sich befand. Nachdem ich die entsprechenden Formulare ausgefüllt hatte, fuhr ich endlich heim. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ohnehin keine Energie mehr, mich darüber aufzuregen.

Ich war am 3. Oktober 2001 trotz Swissair-Grounding in München gestartet, hatte meine geplanten Wochen in den USA verbracht, Albuquerque und die Balloon Fiesta erlebt, war nach California gekommen, hatte den Pazifik gesehen und trotz ständig wechselnder Flugpläne, zusätzlicher Sicherheitskontrollen, eines Sturms über Chicago und einer Kommunikationstechnik aus einer Zeit, in der Telefone noch an Kabeln hingen, wieder nach Hause gefunden. Und mein Koffer? Der kam zwei Tage später, dafür aber wurde er direkt vor meine Haustür geliefert.

Wenn ich heute, 25 Jahre später, daran zurückdenke, liegen zwei völlig unterschiedliche Erinnerungen sehr nah beieinander.

Da ist zunächst der 11. September 2001, dieser unfassbare Tag, an dem ich vor dem Fernseher saß und nicht glauben konnte, was ich sah. Ein Tag, nach dem vieles nicht mehr so war wie zuvor und dessen Bilder bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren haben.

Und da ist meine Reise wenige Wochen später. Eine Reise, die plötzlich völlig unsicher geworden war und am Morgen des 3. Oktober bereits am Münchner Flughafen hätte enden können.

Vielleicht hätte manch anderer an diesem Punkt gesagt: Dann eben nicht, was ich aber nicht getan habe. Ich kaufte ein neues Ticket, flog über ein anderes Land, ließ meine Unterwäsche öffentlich ausstellen, wurde an jedem Flughafen in den USA noch einmal kontrolliert, buchte aus einem Flugzeug heraus meinen Anschluss um, organisierte über California einen Telefonanruf nach Deutschland und kam nach mehr als 36 Stunden schließlich ohne Koffer, ansonsten heil, aber hundemüde wieder zu Hause an.

Im Rückblick war es bestimmt die komplizierteste Reise meines Lebens, aber auch eine, die ich nie vergessen werde. Auch heute noch – als ich die Geschichte niederschreibe, kann ich mich noch an alle Einzelheiten genau erinnern. 

Und vielleicht beschreibt sie mich sogar ein bisschen: Wenn irgendwo jemand sagt, dass etwas nicht geht, frage ich meistens erst einmal:

„Okay. Und welche andere Möglichkeit gibt es?“

Impressionen von der 30. Balloon Fiesta in Albuquerque – 2001

Kommentar verfassen