
Auch Dora Meroney gehörte zu den Menschen der Route 66, die ich zunächst über Facebook kennenlernte. Viel wussten wir damals noch nicht voneinander, doch 2017 sollte aus dieser losen Online Bekanntschaft plötzlich eine sehr persönliche Begegnung werden.
Während unseres lange geplanten „Roadtrip of a Lifetime“ von Chicago nach Los Angeles führte uns der Weg im August zum Birthplace of Route 66 Festival nach Springfield, Missouri. Penny hatte uns damals kurzerhand in die Roadie Family aufgenommen, wodurch wir am Abend auch beim gemeinsamen Essen der Roadies dabei sein durften. Am Nachmittag zuvor waren wir jedoch zunächst im Old Glass Place unterwegs, wo zahlreiche Autoren, Künstler und andere bekannte Gesichter der Route 66 ausstellten.
Kaum haben wir den Ausstellungsraum betreten, kam mir Dora entgegen. Sie hat mich aus der Roadie Gruppe sofort erkannt und empfing mich mit den Worten:
„You are Geri from Route 66 Travelers, aren’t you?“
Und ehe ich überhaupt antworten konnte, umarmte sie mich herzlich wie einen alten Freund, den sie nach langer Zeit endlich wiedersah. Ich war damals völlig überrascht von dieser spontanen Herzlichkeit. Wir kannten uns schließlich kaum. Aber Dora schien daraus kein großes Thema zu machen. Für sie war ich offenbar einfach jemand aus dieser inzwischen immer größer werdenden Route 66 Familie.
Etwa ein Jahr später kreuzten sich unsere Wege noch einmal, diesmal wieder online. Ich hatte begonnen, Menschen entlang der Route 66 für meinen damals noch jungen Blog anzuschreiben und ihnen einige Fragen zu stellen – Menschen, die nicht nur irgendwo an der Mother Road lebten oder arbeiteten, sondern auf ihre ganz eigene Weise ein Teil von ihr geworden waren.
Dora erklärte sich sofort bereit, bei meinem schriftlichen Interview mitzumachen.
Durch ihre Antworten lernte ich die Frau, die mich in Springfield so herzlich begrüßt hatte, noch einmal von einer anderen Seite kennen. Sie erzählte von Texas Ivy Antiques in Amarillo, von ihrem Engagement für die Old Route 66 Association of Texas und Historic 6th on Route 66 und davon, wie sehr sie die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt schätzte, die Jahr für Jahr nach Amerika kamen, um die Mother Road zu erleben.
Damals bekam Dora ihren ersten eigenen Platz bei Route66Travelers.
Fast zehn Jahre später hole ich diese Geschichte nun noch einmal hervor – und stelle fest, dass ich trotz unseres damaligen Interviews vieles über Dora, Andy und Texas Ivy überhaupt nicht wusste.
Manches davon verändert sogar den Blick auf Dinge, die mir damals ganz selbstverständlich erschienen. Und vielleicht erklärt es auch ein wenig besser jene erste Umarmung im Old Glass Place.
Denn je mehr ich heute über Dora Meroney erfahre, desto mehr glaube ich: In dieser einen spontanen Begrüßung steckte bereits ziemlich viel von der Frau, die über Jahrzehnte hinweg Menschen entlang der Route 66 zusammengebracht hat.
Eine Tochter der Route 66
Doras Verbindung zur Mother Road begann nämlich wesentlich früher, als sie es in unserem damaligen Interview selbst erzählte. Als ich sie fragte, wann sie sich erstmals intensiver mit der Route 66 beschäftigt hat, nannte sie 1999 – das Jahr ihrer Rückkehr nach Amarillo. Das war sicherlich der Beginn ihres bewussten Engagements für die historische Straße. Aber ihre Lebensgeschichte war schon Jahrzehnte zuvor mit ihr verwoben.
Dora wurde im Dezember 1958 in Amarillo geboren und wuchs praktisch mit der Route 66 vor der Haustür auf. Ihr Vater Willis war im Autogeschäft tätig und betrieb später an der 6th Street einen eigenen Gebrauchtwagenhandel. Autos, amerikanische Straßenkultur und die Route 66 gehörten damit schon früh ganz selbstverständlich zu Doras Leben – lange bevor die Straße einmal „historisch“ werden sollte.
Und sogar Andy kam gewissermaßen auf vier Rädern in ihre Geschichte.
1975 lernte Dora ihren späteren Ehemann kennen, während sie mit dem grün-weißen 1956 Chevrolet Bel Air ihrer Mutter durch Amarillos Polk Street cruiste. Im März 1976 heirateten Dora und Andy Meroney und in diesem Jahre liegen damit tatsächlich fünfzig Ehejahre hinter ihnen – und wer die beiden heute bei Route 66 Veranstaltungen sieht, merkt schnell, dass Andy aus Doras Geschichte nicht herausgelöst werden kann.
Sie bekamen zwei Töchter, Ivy und Nikki. Und hier bekommt auch der Name Texas Ivy eine Bedeutung, die weit über einen hübschen Namen für einen Antiquitätenladen hinausgeht.
1996 verloren Dora und Andy ihre ältere Tochter Ivy, nur wenige Monate vor ihrem 20. Geburtstag.
Doras Vater Willis hatte Anfang der 1990er Jahre das kleine eingeschossige Haus neben seinem Autohandel an der 6th Street gekauft. Zunächst diente es Doras Bruder Allen und seiner Familie als Wohnhaus, später begann Doras Mutter Florence dort mit dem Antiquitätengeschäft. Als Geschäft wird Texas Ivy seit 1997 geführt. Die heutige Route 66 Roadside Attraction Tafel nennt das Baujahr des Hauses übrigens genauer mit 1921. Der Laden erhielt seinen Namen zur Erinnerung an Ivy Marie Meroney.
Damit bekommt Texas Ivy plötzlich eine ganz andere Tiefe. Es ist nicht einfach der Name eines Geschäfts an der Route 66. Es bewahrt den Namen einer Tochter.
Als Dora und Andy 1999 nach mehreren Jahren außerhalb von Texas nach Amarillo zurückkehrten, stieg Dora immer stärker in das Geschäft ihrer Mutter ein. Sie fuhr mit Florence und ihrer Schwester Linda zu Auktionen und auf Einkaufstouren und lernte nach und nach die Welt der Antiquitäten kennen. Florence selbst hatte sich längst für das Viertel eingesetzt und unter anderem für Verbesserungen an der historischen 6th Street gekämpft. Nach ihrem Tod 2004 führten die Töchter diese Geschichte weiter. Auch heute beschreibt Dora Texas Ivy als Familienunternehmen, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester Linda Kelley am Leben hält.
Und dann bekam der Name „Texas Ivy“ beinahe noch eine zweite Bedeutung. An der Fassade begann eine grüne Kletterpflanze zu wachsen, die Dora und ihre Familie einfach „Ivy“ nannten – schließlich bedeutet ivy auf Englisch Efeu. Irgendwann hatte dieses „Ivy“ das kleine Haus fast vollständig in Besitz genommen. Botanisch gesehen handelt es sich allerdings gar nicht um Efeu, sondern um Wilden Wein.

So erinnerte der Name Texas Ivy nicht nur an Doras und Andys Tochter Ivy – er schien plötzlich auch außen am Haus weiterzuwachsen.
Bis zu meiner heutigen erneuten Recherche über Dora wusste ich nicht, welche Geschichte sich tatsächlich hinter dem Namen verbirgt. Ich war immer davon ausgegangen, dass sich „Ivy“ einfach auf die Pflanze bezieht, die das Gebäude überwuchert. Erst jetzt weiß ich: Der Name war zuerst da.
Dora und Andy – zwei unterschiedliche Arten, die Route 66 zu leben
Während Dora immer sichtbarer zur Organisatorin, Netzwerkerin und Ansprechpartnerin wurde, arbeitete Andy häufig dort, wo man hinterher vor allem das Ergebnis sah.
Das große metallene Route 66 Shield vor Texas Ivy stammt von ihm. Ebenso fertigte er Route 66 verzierte Metallarbeiten für den Historic District, darunter Elemente an Abfallbehältern und Lichtmasten. Jahrelang fuhr er außerdem bei besonderen Gelegenheiten den grünen Route 66 Trolley durch Amarillo. In Unterlagen zu einem späteren Spendenprojekt für den Route 66 Wasserturm taucht sogar die Bezeichnung „Man of Steel (Andy Meroney)“ auf – ein ziemlich passender Name für jemanden, der seinen Teil der Mother Road buchstäblich aus Metall mitgestaltet hat.
Andys ganz besonderer Geburtstagsgruß an die Route 66
Auch zum Centennial 2026 ließ sich Andy etwas Besonderes einfallen: einen riesigen, fahrbaren Geburtstagsgruß in der Flagge des Bundesstaates Texas. Die Idee und der Entwurf stammen von ihm, den Festwagen baute er gemeinsam mit Tochter Nikki. Auch die Mechanik, mit der sich die mehrstöckige Geburtstagstorte heben, senken und drehen lässt, konstruierte Andy selbst.
Der Festwagen trägt rund 1.030 kleine Route 66 Schildchen, die Besucher direkt vom Wagen kaufen können. Jedes Schild trägt auf der Rückseite einen farbigen Stern, mit dem ein Überraschungsgewinn verbunden ist. Unternehmen konnten sich außerdem für 100 Dollar als Sponsoren verewigen lassen. Ihre eigens angefertigten Namensschilder zieren beide Seiten des Festwagens und gehen nach dessen Abbau als Erinnerungsstücke an die Sponsoren zurück.
So können sich Roadies sogar ein kleines Stück dieses außergewöhnlichen Geburtstagsgrußes mit nach Hause nehmen.

Dass Dora und Andy allerdings keineswegs nur auf der Route 66 unterwegs waren, zeigt ein anderes Kapitel ihres Lebens. 2002 durchquerten sie die Vereinigten Staaten mit dem Fahrrad auf dem TransAmerica Bicycle Trail. Von Yorktown in Virginia bis Astoria in Oregon legten sie in etwa drei Monaten rund 4.228 Meilen zurück – vom Atlantik bis zum Pazifik.
Vielleicht erklärt auch das ein wenig ihre besondere Beziehung zu Reisenden. Wer selbst tausende Meilen langsam durch ein Land zurückgelegt hat, weiß, dass eine Reise irgendwann nicht mehr nur aus Orten besteht. Sie besteht aus Begegnungen.
Genau das erzählte Dora mir damals auch über die Route 66. Dass ihr Geschäft direkt an der historischen Straße liege, sei etwas Besonderes, weil Menschen aus aller Welt hereinkämen – manchmal aus tausenden von Kilometern, dann wieder einfach aus der Nachbarschaft. Und als ich sie fragte, was sie Reisenden, insbesondere jenen aus Deutschland und Europa, mitgeben wolle, sprach sie davon, wie wichtig deren Begeisterung, ihre Reisen und letztlich auch das Geld seien, das sie in den kleinen Geschäften entlang der Route ließen.
Das war keine höfliche Floskel für ein Interview. Dora hat genau dafür einen erheblichen Teil ihres Lebens gearbeitet.
Von 2011 bis 2019 war sie Präsidentin der Old Route 66 Association of Texas. Sie engagierte sich außerdem für Historic 6th on Route 66, den Panhandle Tourism Marketing Council, die Texas Plains Trail Region, den Amarillo Tourismus und ihre eigene San Jacinto Nachbarschaft. Sie half bei einer frühen Amarillo Route 66 Karte mit, organisierte Veranstaltungen, Car Cruises und historische Aktionen und fuhr selbst im auffälligen gelben MG, dem „Yellow Imposter“, von einem Route 66 Termin zum nächsten.

2018 übernahm Dora eine besonders große Aufgabe: Sie leitete die Organisation des International Route 66 Festival in Shamrock unter dem Motto Texas Welcomes the World. Shamrock mit damals nicht einmal 2.000 Einwohnern war der kleinste Ort, der dieses internationale Festival bis dahin ausgerichtet hatte. Wieder ging es genau um das, was Dora schon in unserem Interview betont hatte: Menschen aus aller Welt nach Texas zu holen und ihnen zu zeigen, dass die Route 66 dort nicht an einem Interstate Exit endet.
Ihr Engagement reichte dabei weit über Amarillo hinaus. Dora gehörte seit der Gründungsphase der Route 66 Road Ahead Partnership zu den Vertretern der einzelnen Route 66 Bundesstaaten und leitete zeitweise die State Associations Advocacy Working Group. 2018 gelangte sogar ein von ihr als Präsidentin der Old Route 66 Association of Texas unterzeichnetes Unterstützungsschreiben für die geplante Ausweisung der Route 66 als National Historic Trail in den Congressional Record des US-Kongresses.
Interessant ist dabei der Blick von heute zurück. Der Traum vom Route 66 National Historic Trail, für den Dora bereits vor rund zehn Jahren mitkämpfte, ist auch im Centennial Jahr 2026 noch nicht endgültig erfüllt. Im 119. Kongress liegen erneut entsprechende Gesetzentwürfe in Repräsentantenhaus und Senat.
Ein anderer ihrer damaligen Wünsche dagegen ist längst Wirklichkeit geworden. Jahrelang träumten Dora und andere Route 66 Unterstützer in Amarillo davon, den weithin sichtbaren Wasserturm nahe der 6th Street mit einem Route 66 Shield zu versehen. Zwölf Jahre dauerte das Projekt. Insgesamt kamen 18.000 Dollar aus Spenden zusammen, aus zahlreichen US-Bundesstaaten und sogar aus dem Ausland. Anfang 2023 wurde das große Route 66 Emblem schließlich auf den Turm gemalt. Heute führt die Stadt Amarillo den Route 66 Water Tower offiziell als abgeschlossenes Projekt der San Jacinto Neighborhood Initiative – und Dora sitzt weiterhin im Vorstand der San Jacinto Neighborhood Advocates.

Es ist eine dieser kleinen Geschichten, die sehr gut zu ihr passen: Manchmal braucht es zwölf Jahre, bis eine Idee groß genug an einem Wasserturm hängt, dass niemand mehr an ihr vorbeisehen kann.
Als Texas Ivy beinahe verloren ging
Dann kam der 23. August 2022. Ein Feuer verwüstete Texas Ivy Antiques. Als vorläufige Ursache wurde ein elektrischer Brand im Dachbereich genannt. Niemand befand sich im Geschäft, als das Feuer ausbrach, und es gab keine Verletzten – aber das kleine historische Haus und sein Inhalt wurden schwer beschädigt.
Für einen Antiquitätenladen ist Feuer besonders gnadenlos. Viele Dinge darin lassen sich nicht einfach über eine Bestellnummer ersetzen. Sie haben Jahrzehnte oder manchmal ein Jahrhundert überstanden, bevor sie überhaupt in einem solchen Geschäft landen. Und plötzlich war das Geschäft, das den Namen von Ivy trug und das Dora gemeinsam mit ihrer Familie über Jahrzehnte aufgebaut hatte, selbst bedroht.
Doch dann zeigte sich eine andere Seite jener Route 66 Gemeinschaft, für die Dora zuvor so viel getan hatte. Menschen aus der Region und Roadies weit darüber hinaus unterstützten den Wiederaufbau. Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen, Freunde halfen, und Dora selbst schreibt rückblickend, dass es diese Unterstützung war, die es Texas Ivy ermöglichte, im Juni 2023 wieder zu öffnen. Die heutige Route 66 Roadside Attraction Tafel am Gebäude hält diese Geschichte ausdrücklich fest: Das Haus sei nach dem Brand mit Hilfe von Roadies aus aller Welt restauriert worden. Fast könnte man sagen, die Route 66 gab in diesem Moment etwas zurück. Während der gesamten Zeit des Umbaus blieb Texas Ivy offen und Reisende konnten Route 66 Passports kaufen, diese stempeln und auch Fotos vor dem bekannten Route 66 Zeichen im “Efeu” machen.
2021 hatte das ROUTE Magazine Dora noch als eine der Route 66 Extraordinary Women vorgestellt. Sie hatte zugesagt, von 2021 bis einschließlich 2026 jedes Jahr 200 Dollar in einen Fonds einzuzahlen, aus dem Frauen unterstützt werden sollten, die entlang der Route 66 eigene Geschäfte und Attraktionen betreiben oder leiten. Ein Jahr später war plötzlich sie selbst diejenige, die Hilfe brauchte.

Und Texas Ivy kam zurück. 2024 erhielt das Geschäft zusätzlich ein Route 66 Roadside Attraction Sign. Das Gebäude von 1921 steht wieder an der 3511 SW 6th Avenue, ist weiterhin Passport Stamping Location und empfängt Reisende an Amarillos Historic Route 66. 2026 feiert Texas Ivy das 29. Geschäftsjahr.
Dora damals – und Dora heute
Wenn ich mein Interview von damals heute noch einmal lese, fällt zuerst auf, wie viele Titel hinter Doras Namen standen. Präsidentin hier, Schatzmeisterin dort, Vorsitzende eines Tourismusverbandes, Organisatorin eines Festivals.
Heute haben sich einige Titel verändert. Dora ist nicht mehr Präsidentin der Old Route 66 Association of Texas; dieses Amt hatte sie von 2011 bis 2019 inne. Aber verschwunden ist sie deshalb keineswegs. Im Gegenteil: Im September 2026 wird sie auf der aktuellen Website der Association weiterhin als Secretary/Treasurer geführt. Die offizielle Anschrift der Association ist ausgerechnet dieselbe Adresse wie Texas Ivy. Auch in der State Advocacy Working Group der Route 66 Road Ahead Partnership vertritt sie weiterhin Texas. Und in Amarillo gehört sie nach wie vor dem Vorstand der San Jacinto Neighborhood Advocates an.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Dora damals und Dora heute: Die Ämter haben gewechselt. Die Arbeit nicht. Damals erzählte sie mir, wie wichtig die Menschen aus aller Welt für die kleinen Geschäfte der Mother Road seien. Heute kann sie auf Jahrzehnte zurückblicken, in denen aus vielen dieser Reisenden Freunde geworden sind.
Und Andy steht noch immer an ihrer Seite.

2024 übernahm er als Präsident der Bug Ranch Association eine eigene Aufgabe bei der Bewahrung eines jener wunderbar schrägen Route 66 Wahrzeichen, für die diese Straße berühmt ist. Nachdem die ursprüngliche Bug Ranch bei Conway gefährdet war, entstand in Amarillo eine neue Version mit den charakteristisch kopfüber im Boden steckenden Volkswagen Beetles. Andy trat bei der offiziellen Eröffnung und „Christening“ im Juni 2024 als Präsident der Association auf.
Und dann führt die Geschichte ausgerechnet zurück nach Springfield, Missouri; dorthin, wo wir Dora und Andy 2017 zum ersten Mal persönlich trafen.
Vom 30. April bis 3. Mai 2026 fand in Springfield die große nationale Auftaktveranstaltung zum hundertsten Geburtstag der Route 66 statt. Dora und Andy kamen aus Amarillo, um Texas bei der Centennial Parade zu vertreten.
Ein Reporter von KY3 sprach dort mit ihnen darüber, was ihnen die Route 66 nach all den Jahren bedeutet. Dora erzählte, dass man, wenn man oft auf der Route unterwegs sei, immer wieder denselben Menschen begegne – und dass daraus manchmal augenblicklich eine Verbindung entstehe.
Andy erzählte von Reisenden aus Tschechien, die sie erst kurz zuvor kennengelernt hatten und denen sie wenig später zufällig erneut begegneten. Beim Wiedersehen sei es beinahe wie bei einem Familientreffen gewesen: Hände schütteln, Umarmungen, große Freude – obwohl man sich erst seit zwei Tagen kannte.
Als ich das gelesen habe, musste ich unweigerlich an 2017 denken, an den Old Glass Place, an eine Frau, die mich am Eingang entdeckte, auf mich zukam und sagte: „You are Geri from Route 66 Travelers, aren’t you?“, und mich im nächsten Augenblick umarmte, als würden wir uns seit Jahren kennen. Damals sah ich nur Dora. Heute glaube ich, darin steckte gleichzeitig auch ein ziemlich gutes Stück Route 66.
Denn heute bin ich davon überzeugt, dass diese Straße weniger aus Asphalt, alten Tankstellen, Neonlichtern und rostigen Autos besteht, als wir manchmal glauben. Sie besteht vor allem aus Menschen, die über tausende Kilometer hinweg miteinander in Kontakt kommen, sich irgendwann irgendwo entlang der Straße gegenüberstehen – und plötzlich das Gefühl haben, sich längst zu kennen. Dora und Andy Meroney leben genau diese Seite der Mother Road seit Jahrzehnten.
Und Dora?
Sie ist 2026 nicht mehr dieselbe Frau mit denselben Ämtern, die mir vor fast zehn Jahren meine Interviewfragen beantwortet hat. Inzwischen liegen weitere Jahre Arbeit für die Route 66 hinter ihr, ein internationales Festival, politische Lobbyarbeit, ein endlich verwirklichter Wasserturm, eine Pandemie, ein verheerender Brand, ein Wiederaufbau und unzählige weitere Begegnungen mit Menschen aus aller Welt.
Aber in einem Punkt scheint sich erstaunlich wenig verändert zu haben. Wer heute durch die Tür von Texas Ivy in Amarillo kommt, findet dort noch immer Dora Meroney.
Und vermutlich dauert es auch heute nicht besonders lange, bis aus einem Fremden ein Roadie wird – und aus einem Roadie irgendwann ein Freund.

Fotos, wenn nicht anderweitig gekennzeichnet – mit freundlicher Genehmigung von Dora Meroney
* Gary Daggett ist Präsident der Old Route 66 Association of Texas und vertritt Texas im Vorstand der Route 66 Road Ahead Partnership. Gemeinsam mit seiner Frau Stephanie bereist er seit vielen Jahren die Mother Road und setzt sich für den Erhalt ihrer Geschichte und historischen Sehenswürdigkeiten ein.
