
Wer Dean Kennedy auf der Route 66 sucht, muss eigentlich nur lange genug unterwegs sein. Irgendwann taucht er ganz bestimmt auf – bei einem Festival oder einem Treffen, an einem alten Motel, bei einer Veranstaltung für den Erhalt eines bedrohten Stücks der Straße oder einfach irgendwo unterwegs zwischen Chicago und Santa Monica. Seit vielen Jahren gehört Dean zu jenen Menschen, die man entlang der Mother Road immer wieder trifft und deren Namen in den Geschichten anderer Roadies ganz selbstverständlich auftaucht.
Vielleicht beschreibt ihn deshalb ein Wort besser als jede offizielle Funktion: Roadie.
Dean lebt in Indiana, also nicht unmittelbar an der historischen Route 66, und trotzdem ist die Straße längst ein wichtiger Teil seines Lebens geworden. Schon Anfang der 2010er-Jahre findet man ihn immer wieder in Berichten anderer Route 66 Reisender. 2012 machte er auf dem Weg zum Route 66 Festival in Victorville Halt an der Afton Station in Oklahoma, später begegnet man ihm bei Veranstaltungen in Arizona, Missouri oder Illinois, beim Cuba Fest ebenso wie am Munger Moss Motel oder bei Treffen mit alten und neuen Freunden entlang der Straße. Was dabei auffällt: Dean scheint Route 66 nie nur als Strecke von Chicago nach Los Angeles verstanden zu haben, sondern vor allem als Gemeinschaft von Menschen, die sich immer wieder begegnen.
Wie wichtig solche Begegnungen sein können, erzählt beispielsweise Rhys Martin. Als Rhys 2015 noch ziemlich am Anfang seiner eigenen Route 66 Geschichte stand, war Dean der erste „Roadie“, den er kennenlernte. Dean nahm ihn vom Munger Moss Motel in Lebanon mit zur Gasconade Bridge Rally – eine kleine Begebenheit, die Jahre später fast nebensächlich klingen könnte, wäre Rhys Martin inzwischen nicht selbst zu einer der bekannten Stimmen für den Erhalt und die Zukunft der Route 66 geworden. Dass er sich noch immer daran erinnert, wer ihn damals mitnahm, sagt vielleicht mehr über Dean aus als eine lange Aufzählung von Ämtern und Funktionen.
Denn Dean kennt nicht nur die Straße, er kennt ihre Menschen – und er bringt sie zusammen.

Das zeigte sich über die Jahre immer wieder, und längst ist aus dem leidenschaftlichen Reisenden auch jemand geworden, der sich aktiv für die Zukunft der Route 66 engagiert. Innerhalb der Route 66 Road Ahead Partnership vertritt er die Perspektive der Roadies und Stakeholders, also gerade jener Menschen, die nicht unbedingt ein Geschäft an der Straße besitzen oder eine staatliche Organisation vertreten, für die Mother Road aber dennoch einen wichtigen Teil ihres Lebens bedeutet. Auch in der dazugehörigen Facebook Community ist Dean als Administrator präsent, teilt Informationen, Veranstaltungen und Reisehinweise und hält damit genau jenes Netzwerk zusammen, das Route 66 weit über ihre acht Staaten hinaus lebendig macht.
Wie selbstverständlich er diese Rolle ausfüllt, zeigte sich besonders im Centennial Jahr 2026. Als die Route 66 Road Ahead Partnership die große Centennial Caravan vorbereitete, die im Juni von Santa Monica nach Chicago führte, gehörte Dean als Roadie Representative zum National Car. Und wieder war da diese verbindende Seite: Als für die Caravan eine Fotografin gesucht wurde, empfahl Dean Jessica Roybal aus New Mexico und brachte sie mit den Organisatoren zusammen. Roybal wurde schließlich die offizielle Fotografin der Centennial Caravan – und bezeichnete Dean später in einem Fernsehinterview schlicht als ihren Freund und den „ultimate Route 66 roadie“.
Vielleicht gibt es aber eine noch schönere kleine Geschichte aus dieser Reise.

Mitten in der Mojave Desert, an der ehemaligen Townsite von Bagdad, steht ein einzelner Baum. Vieles von dem Ort ist längst verschwunden, doch dieser Baum hat überlebt, obwohl die trockene Landschaft eigentlich kaum erwarten lässt, dass er dort überhaupt wachsen kann. Reisende halten an und geben ihm Wasser, Menschen aus der Umgebung kümmern sich um ihn – und als die Centennial Caravan im Juni 2026 dort vorbeikam, hielt auch Dean Kennedy an, um ihn zu gießen.

Denn Route 66 lebt heute nicht allein deshalb weiter, weil irgendwo historische Schilder aufgestellt, Gebäude restauriert oder Jubiläen gefeiert werden. Sie lebt, weil Menschen sich um sie kümmern, weil sie anhalten, wenn etwas Aufmerksamkeit braucht, weil sie Informationen weitergeben, Freundschaften pflegen und andere mitnehmen – manchmal ganz wörtlich, wie Dean es vor vielen Jahren mit einem jungen Roadie namens Rhys Martin getan hat.
Manche Menschen hinterlassen ihre Spuren an der Route 66 mit einem Motel, einem Diner, einem Museum oder einem berühmten Neon Sign. Dean Kennedy gehört zu denen, deren Spuren weniger leicht auf einer Landkarte einzuzeichnen sind.
Man findet sie vielmehr in den Verbindungen zwischen den Menschen.
Und vielleicht ist genau das die beste Beschreibung für einen echten Roadie.
Meine eigene Geschichte mit Dean begann bei einem gemeinsamen Abendessen mit einer ganzen Runde von Roadies, das Judy Walker organisiert hatte. Sie stellte uns einander vor, und schon bald waren wir in ein langes Gespräch vertieft – über alles Mögliche und natürlich, wie könnte es anders sein, vor allem über die Route 66.

Seitdem sind die Jahre vergangen, doch der Kontakt ist geblieben. Und nun hat Dean mich persönlich zu einem ganz besonderen Wiedersehen eingeladen: Am 11. November 2026, zum 100. Geburtstag der Route 66, treffen sich in Pasadena Roadies aus nah und fern. Was für eine Ehre, als Roadie Family Member angesehen zu werden – und ausgerechnet zwei Tage nach meinem eigenen Geburtstag! Was wäre das für ein verspätetes Geburtstagsgeschenk!!!
Leider werde ich diesmal nicht dabei sein können. Wie gerne hätte ich Dean und all die anderen Roadies nach so vielen Jahren wiedergesehen, alte Freundschaften aufgefrischt und vermutlich unser Gespräch dort wieder aufgenommen, wo es irgendwann aufgehört hat.
Aber irgendwann werden sich unsere Wege wieder kreuzen. Und ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn es wieder heißt: Welcome back, Roadie!

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Dean Kennedy und Harald Jungbauer.

Wow! I hardly know what to say, except “Thank you,” and thank you for being my friend! I so wish you could be there on November 11!!!